Neuausrichtung der IT-Infrastruktur beim Tübinger Systemhersteller transtec AG

Neues Cluster-Testsystem beim Tübinger IT-Systemhersteller steht auch externen Kunden zur Verfügung

Tübingen, 26. Januar 2004.
Das IT-Jahr 2003, das im Zeichen der Konsolidierung der IT-Architektur stand, hat die Tübinger transtec AG dazu genutzt, um die IT-Infrastruktur des Konzerns neu und zukunftsorientiert auszurichten.

Kernpunkt des Konzeptes war die Umrüstung von Sparc basierenden Systemen mit Client-Server-Architektur und Standleitungen ins Ausland auf eine zukunftsweisende, hochausfallsichere und performante Intel-Cluster-Plattform. Diese greift auf der einen Seite auf Linux im zentralen ERP-und Web-Bereich, auf der anderen Seite auf Microsoft im Mailverkehr und bei den Officelösungen zurück.

Die Anbindungen der transtec-Auslandsgesellschaften erfolgt nach der Umstellung der IT-Infrastruktur über DSL mit Terminalemulation auf Citrixbasis und reduziert die Leitungskosten um 80 Prozent. Die Anwender zeigen sich mit der gebotenen Performance und Verfügbarkeit äußerst zufrieden. Das Projekt läuft gut und problemlos.

Anfang 2003 sah die transtec IT-Infrastruktur wie folgt aus:

- Die zentralen Applikationen, das hauseigene ERP-System „OBISPO“ mit etwa 200 Benutzern, das Websystem (www.transtec.de) und das Content Management System, liefen auf dedizierten Solaris-Datenbankservern (3-4 Jahre alte Sun-kompatible Sparc-Server E420, 4 Prozessoren á 400Mhz, 4 GB RAM und Oracle Datenbanken V9i). Im Frontendbereich kam Windows NT, 2000 und XP zum Einsatz. Ersatzhardware im Serverbereich war - so notwendig - teuer zu beschaffen, der Hochverfügbarkeitsanspruch kaum bezahlbar. Die Leistungsfähigkeit der eingesetzten Maschinen war ausgereizt. Von einer Skalierbarkeit konnte keine Rede sein.
Des weiteren war es mit dem Einsatz von drei parallelen Serverbetriebssystemen (Windows, Solaris, Linux) notwendig, für jede Plattform entsprechend tiefgreifendes internes Know-how vorzuhalten, was sich negativ auf die Kosteneffizienz der IT-Abteilung auswirkte.

- Als europäisch aufgestelltes und agierendes Unternehmen hat transtec Tochterunternehmen in sieben europäischen Nachbarländern. Diese waren durchgängig über dedizierte Mietleitungen an die Tübinger Zentrale angebunden, wo sich auch das Rechenzentrum befindet. Diese Art der WAN-Anbindung ist bewährt, aber leider auch sehr kostenintensiv. Hinzu kam, dass die Benutzerzufriedenheit nicht allzu hoch war, da der Performance der Applikationen auf Grund der relativ niedrigen Bandbreite natürlich Grenzen gesetzt waren.

Die Herausforderung an die IT-Abteilung war es, Lösungen zu finden,
- um die Kollegen(innen) in den Vertriebsniederlassungen so anzubinden, dass sie unterbrechungsfrei und performant arbeiten können.
- die Verbindungskosten deutlich zu senken.
- die zentralen IT-Anwendungen auf eine zukunftsorientierte Plattform zu migrieren, die skalierbar ist, dem HA-Anspruch genügt, Maintenancekosten spart und – last but not least – aus dem eigenen Produktspektrum stammt.

„Auf Grund der Anforderungen war für uns sehr schnell klar, dass unsere zentralen Datenbankanwendungen zukünftig auf IA32/64 basierenden, leistungsfähigen und geclusterten Servern laufen sollten. Linux sollte als zuverlässige und kostengünstige Betriebssystemalternative zum Einsatz kommen“, so Jochen Kapp, IT-Leiter der transtec AG.

Sowohl das ERP-System als auch das Web/CMS-System wurden schrittweise von einer Single-Instance-Solaris-Lösung in eine hochverfügbare und skalierbare Datenbankclusterlösung überführt.

Der erste Schritt, der ohne nennenswerte Probleme durchgeführt wurde, bestand in der eigentlichen Migration der Datenbanken von Solaris- auf Linuxserver. Schon hier zeigte sich, dass bereits mit dem Umstieg auf technisch aktuelle Hardware ein deutlicher Performancegewinn zu erzielen war.

Parallel hierzu wurde im hauseigenen Kompetenzzentrum das Cluster-Testsystem bereitgestellt, das auch externen Kunden zur Verfügung steht. Mit Unterstützung der dortigen Clusterspezialisten erfolgten umfangreiche Tests der zukünftigen Hochverfügbarkeits-Datenbankcluster, über die schließlich das gesamte transtec-Business abgewickelt wird.

Als Clusterknoten arbeiten je 2 transtec X1002XSR27-E mit 2 Dual-Xeon-Prozessoren mit 2.4 Ghz und 4 GB RAM unter SuSE Linux V9, die mit Oracle-Software (RAC) geclustert wurden. Da sich der Hochverfügbarkeitsanspruch auch auf den Storagebereich erstreckt, kam ein redundant ausgelegtes transtec SAN-System zum Einsatz.

„Mit den Clustersystemen erreichen wir eine deutlich höhere Standardisierung unserer IT-Infrastruktur. Der Einsatz von Commodity-Hardware wird sich für uns schnell bezahlt machen, da wir nun durch Knotentausch oder den Einsatz weiterer Knoten schnell reagieren und bedarfsgerecht und ohne großen Aufwand skalieren können“, so IT-Leiter Kapp über die Vorteile der Umstellung der IT-Infrastruktur.

In einem weiteren Schritt wird die letzte verbliebene Datenbank-Anwendung (Oracle Financials, Finanz- und Rechnungswesen), welche bereits als Web-Applikation aufgesetzt war, von einer Sparc- auf eine Intel-Cluster-Plattform unter Linux migriert. Im Desktopbereich und als Mailinglösung setzt transtec auf Grund guter Erfahrungen in Zukunft weiter auf Microsoft. Im Laufe des Jahres steht die Migration auf Win2003/XP an.

Die Kosten für die eingesetzten Clusterlösungen liegen bei etwa einem Fünftel der Kosten für eine vergleichbare, zertifizierte Sparc-Lösung und damit in einem auch für einen Mittelständler bezahlbaren Rahmen (Anm.: Lizenzkosten für Datenbanksoftware wurden hier nicht betrachtet, da diese sehr individuell sind).

Nachdem die DSL-Technologie in Sachen Verfügbarkeit in den letzten ein bis zwei Jahren vollends businesstauglich wurde, entschieden sich die transtec-Verantwortlichen Anfang 2003 die Anbindungen der Auslands-Niederlassungen über diese Schiene aufzusetzen, auch wenn es viele Zweifler gab. So wurden von allen angefragten TK-Dienstleistern ausschließlich Frame-Relay- und MPLS-Lösungen empfohlen und angeboten, welche im Vergleich mit den jetzigen DSL-Lösung deutlich teurer waren.

Im August 2003 setzte transtec die erste Testinstallation auf. Dabei wurde schnell ersichtlich, dass auch hier die Wahl der „richtigen“ Hardware von hoher Bedeutung ist. Nicht alle in Frage kommenden Router arbeiteten fehlerfrei. Nachdem die Testinstallation recht schnell in einen nahezu reibungslosen Produktivbetrieb überging, wurden auch alle weiteren Niederlassungen mit Business-DSL-Anschlüssen bei lokalen Providern versehen und bis Oktober 2003 umgestellt.

Der gesamte Datenverkehr zwischen den Niederlassungen und der Zentrale in Tübingen wird über VPN-Tunnel geschleust. Das heißt, dass der VPN-Dienst nicht zum Single-Point-Of-Failure werden durfte. Deswegen wurde er sofort redundant ausgelegt. Es kommen 2 transtec X1002WIR24-E mit 2.4 Ghz-Pentium-Prozessoren und 1 GB RAM als Linux-Cluster zum Einsatz.

Die notwendigen Hardware-Investitionen von unter 5.000 € (Router, Server) rechneten sich bereits nach zwei Monaten Produktivbetrieb. transtec konnte die monatlichen Verbindungskosten um satte 80% reduzieren!

Parallel zur Umstellung der WAN-Anbindung implementierten die transtec IT-Spezialisten ein Windows basierendes Terminalserver-Cluster (Citrix) auf Basis von transtec-Servern.

Vor allem für die Mitarbeiter der Niederlassungen konnte mit dieser Lösung eine Performancesteigerung um bis zu Faktor 5 in der Nutzung der Hauptanwendung, nämlich des Oracle-FORMS-basierenden ERP-Systems, erzielt werden. Damit wurde die etwas langsamere DSL-Verbindung mehr als kompensiert und sorgt seitdem für eine hohe Zufriedenheit der Benutzer.

Auf den vier leistungsfähigen, Intel basierenden transtec-Xeon-Servern der neuesten Generation, mit je 2 Prozessoren á 2.4 Ghz und 2 GB RAM, arbeiten heute 60 Benutzer. Tendenz steigend.